Eine Ära, die fast 90 Jahre lang gedauert hat, ging am 31. März 2004 zu Ende. An diesem Tag schloss die Herzog-Albrecht-Kaserne ihre Pforten, die Anfang der 1960er-Jahre auf dem Gelände des 1915 erbauten Neuen Lagers entstanden ist. Mehr als eine Million Menschen verbrachten dort mehr oder weniger lang einen Teil ihres Lebens. Die meisten als Soldaten. Viele als Heimkehrer, Vertriebene oder Gefangene. Jugendgruppen, Vereine und Gewerbetreibende waren ebenfalls zeitweise untergebracht.

Leutnant Erwin Rommel ist 1915 in Münsingen stationiert.1915 hat alles begonnen. Das Württembergische Kriegsministerium ordnet an, nahe des 20 Jahre zuvor angelegten Truppenübungsplatzes in Münsingen ein Barackenlager für Soldaten zu bauen. Bereits ein Jahr später sind im Neuen Lager, wie es die Militärs nennen, rund 1.500 Männer stationiert. Unter anderen auch Leutnant Erwin Rommel, der Jahre später als erfolgreicher Feldherr in die Geschichte eingeht und sich 1944 der Widerstandsbewegung gegen Hitler anschließt.

Neues Lager 1918.Die Rüstungs- beschränkungen des Deutschen Reiches legen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges das Lager militärisch brach. Die 38 Holzbaracken dienen deshalb von 1919 an für kurze Zeit als Durchgangslager für Heimkeher aus dem Krieg.

Zehn Jahre später ziehen junge Leute in das Lager ein. Der Schwäbische Albverein eröffnet  die erste Jugendherberge in Münsingen. Während dieser Zeit bilden sich überall in Deutschland Bürgergruppen, die sich für einen Freiwilligen Arbeitsdienst einsetzen. 1931 auch in Tübingen. Untergebracht sind die Studenten und Arbeitslosen im Neuen Lager, geleitet von Carlo Schmid, der Jahre später in der SPD Karriere macht.

In Münsingen erinnert heute eine Gedenkplatte an die Wiesel-Division.Mit den Kriegsvorbereitungen des nationalsozialistischen Deutschland kommt 1936 mit einer so genannten Erziehungseinheit wieder militärisches Leben auf das Gelände. Drei Jahre später ist neben anderen Einheiten auch die 125. Infanteriedivision, die „Wiesel“- Division, im Lager stationiert.

Anfang der 1940er-Jahre sind dort 2.200 Soldaten und 150 Pferde untergebracht. Ende 1943 stellen die Militärs die 4. Italienische Gebirgsdivision „Monte Rosa“ auf. Die Soldaten wohnen im Neuen und im Alten Lager.

Ein Jahr später quartiert sich die russische Wlassow-Armee ein, die in Diensten der deutschen Wehrmacht steht.

Nach Kriegsende übernehmen 1945 die Franzosen nicht nur den Truppenübungsplatz, sondern auch Altes und Neues Lager. Wenig später stecken sie Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in die baufälligen Baracken. Die Männer stammen überwiegend aus Polen.

Das Lager, das unter Aufsicht der UN-Flüchtlingsorganisation UNRRA steht, heißt zu dieser Zeit PDR-Lager (Personnes Déplacés et Réfugiés). Ende der 1940er-Jahre sind dort noch rund 1.000 Menschen untergebracht.

Anfang der 1950er-Jahre gehört das 16 Hektar große Gelände wieder Deutschland. Die Franzosen haben es zurückgegeben, da sie keinen Bedarf mehr dafür hatten. Im Gegensatz zum Truppenübungsplatz und zum Alten Lager, die sie noch bis 1992 beanspruchen.

Inzwischen haben sich einige Firmen im Lager eingemietet. Sie bleiben aber nicht lange. Die Bundeswehr nimmt das Angebot des Münsinger Bürgermeisters Erwin Volz an, die dringend renovierungsbedürftige Anlage als Kaserne übernehmen zu können.

1959: Vereidigung der Rekruten im Neuen Lager. Am 22. September 1958 ist es so weit. Münsingen wird wieder Garnisonsstadt.  Major Gottfried Tornau rückt mit dem Panzerbataillon 310, das wenig später die Kennzahl 303 erhält, im Neuen Lager ein. Zwei Wochen danach präsentieren sich die 700 Soldaten vor dem Rathaus zum ersten Mal in der Öffentlichkeit.

Mit dabei sind die  Männer des neuen Feldartilleriebataillons 295, das seit Oktober 1958 in der Kaserne ist. Mitte Januar 1959 verlässt der junge Verband die Alb Richtung Immendingen.

Zwei Wochen später wird das Neue Lager  bereits wieder mit neuen Soldaten aufgefüllt. Und zwar mit den Männern des Beobachtungsbataillons 270. Auch dieses Gastspiel  ist nur von kurzer Dauer. Ende des Jahres 1959 ziehen sie Richtung Großengstingen in die Eberhard-Finckh-Kaserne um.

1961 fasst das Verteidigungsministerium den Entschluss, die baufälligen Baracken abzureißen und eine moderne Kaserne zu bauen. Offizielle Einweihung der rund 30 Millionen Mark teuren Neubauten ist am 15. Dezember 1965. Seit diesem Tag heißt die militärische Anlage Herzog-Albrecht-Kaserne.

Knapp drei Jahre später lassen sich unter anderen Bundespräsident Heinrich Lübke, Verteidigungsminister Gerhard Schröder, Ministerpräsident Hans Filbinger, Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier und Altbundeskanzler Ludwig Erhard die neuen Unterkunftsgebäude zeigen.

Die Herzog-Albrecht-Kaserne im Jahr 1969.

Sage und schreibe 40.000 Menschen strömen Mitte 1971 in die Kaserne, die einen „Tag der offenen Tür“ veranstaltet. Hausherr ist das Panzerbataillon 304, das 1961 aus Teilen von „303“ hervorgegangen ist. Fünf Jahre später geht es eng in der Kaserne her. Neben „304“ sind dort noch das Panzerbataillon 283 und das Panzerartilleriebataillon 285 untergebracht. Mit 1.200 Soldaten kommt die militärische Anlage an die Grenzen ihrer Kapazität.

Deshalb beschließt die Bundeswehr 1977, die Kaserne um sechs Hektar zu vergrößern und gegenüber ein Hallenschwimmbad bauen zu lassen.

Ein Kampfpanzer Leopard A2 des Panzerbataillons 283.1981 wird das Panzerbataillon 304 aufgelöst. Elf Jahre später trifft „283“ das gleiche Schicksal. Jenes Bataillon, das lange Zeit als eines der modernsten Panzerverbände des Heeres galt, da es Mitte der 1970er- Jahre mit dem kampfstärksten Panzer dieser Zeit, dem Leopard 1 A4, ausgestattet worden war.

Die meisten Panzersoldaten wechseln in das 1992 neu aufgestellte Fallschirmpanzerabwehrbataillon 283.

Ihre Versetzung ist nicht von langer Dauer. Am 19. September 1996 löst sich der so genannte „Wiesel“- Verband bereits wieder auf. Jetzt ist nur noch das rund 500 Mann starke Panzerartilleriebataillon 285 in der Herzog-Albrecht-Kaserne, die die Standortverwaltung im Lauf der Zeit für viel Geld immer wieder erneuern und renovieren lässt.

Als „schlechten Scherz“ bezeichnen viele Soldaten die Meldung der Heimatzeitung „Alb Bote“ (Südwest Presse), die am 14. Dezember 2000 zum ersten Mal berichtet, die Kaserne werde nach den neuesten Strukturplänen der Hardthöhe auf absehbare Zeit geschlossen.

Großer Zapfenstreich im Jahr 2002.Es dauert mehrere Monate, bis das Verteidigungsministerium in Berlin offiziell mitteilt, dass diese Meldung stimmt und die Herzog-Albrecht-Kaserne zum 31. März 2004 ihre Pforten für immer schließt.

An diesem Tag endet auch die wechselvolle Geschichte des Panzerartilleriebataillons 285, das fast drei Jahrzehnte lang am Standort war. So lange wie kein anderer Verband in der Garnisonsstadt Münsingen.

Mit einem Großen Zapfenstreich verabschieden sich die 500 Soldaten, die danach mit dem Ausräumen der Kaserne und dem Verfrachten der Panzerhaubitzen und anderen Fahrzeugen beginnen.

Einholen der Bundesdienstflagge am 31. März 2004.Das allerletzte militärische Zeremoniell in der Kaserne findet am 31. März 2004 an der Wache statt. An diesem Tag holen die restlichen Soldaten zum letzten Mal die Bundesdienstflagge ein. Damit endet die fast 90-jährige Ära der Garnison.

Noch im selben Jahr übernimmt die Stadt Münsingen das rund 22 Hektar große Gelände und lässt alle Gebäude und Hallen abreißen. Heute stehen in der Parksiedlung 190 Ein- und Zweifamilienhäuser.